Weingut Hirsch Johannes (NÖ)

DAS WEINGUT
721 Wildschweinumwälzungen braucht es angeblich vom verglasten Verkostungsraum des Winzers Johannes Hirsch bis zu seinen Toplagen Lamm, Gaisberg und Heiligenstein im niederösterreichischen Kamptal. Der Blick dorthin schweift über die wunderschönen Weingärten, bleibt verwundert kurz am Mandelbaum hängen und verweilt dann einfach. Und wenn man nicht wüsste, dass das Winzerdasein nicht nur romantisch ist, möchte man sofort tauschen. Johannes Hirsch hat hier tatsächlich etwas geschafft, wovon viele andere träumen: ein harmonisches Ineinander von gewachsener Tradition, modernem Esprit und Work-Life-Balance. Mit einem Weingut, das seine Wurzeln im 16. Jahrhundert hat und für höchste Weinqualität, Innovation und Internationalität steht. Dass der Weg dorthin einer Menge Mutes und Eigensinns bedarf, steht außer Frage.

Terry Theise, amerikanischer Weinprophet und Importeur österreichischer Spitzenweine, bezeichnet Johannes Hirsch, seinen „Winzer des Jahres 2009“, gar als furchtlos. Furchtlos deshalb, weil Johannes Hirsch im Dienste der Qualität seiner Weine keinerlei Konventionen folgt und ohne Wenn und Aber auch gegen den Strom schwimmt. Weil er nicht eingreift, die Natur und den Wein im Weingarten zulässt und auch im Weinkeller nur das behutsam zutage bringt, was draußen gewachsen ist.

Das Ergebnis sind Weine voller Kraft, straffer Mineralik oder Schmelz, je nach Lage und Boden. Sie brillieren in ihrer Klarheit und machen Lust aufs nächste Glas, da die Weine Johannes Hirschs selten über 12,5 % Vol liegen. Diese „Leichtigkeit des Weins“ liegt ihm am Herzen. So wie die beiden Rebsorten Riesling und Grüner Veltliner, denen er sich seit Ende der 1990er-Jahre mit ganzer Aufmerksamkeit widmet. Seine Spitzenweine tragen die Lagenbezeichnungen Lamm, Gaisberg und Heiligenstein. Weltweiten Erfolg hat er auch mit dem „Trinkvergnügen“, das von so großer Finesse und Mineralität ist, dass es wegen der Bezeichnung „Einstiegswein“ eigentlich gekränkt sein müsste.

Alle Weingärten von Johannes Hirsch werden heute biologisch bewirtschaftet, was für ihn selbstverständlich ist und worum er keine großen Worte machen möchte. Die Qualität seiner Weine spricht seit dem Umstieg auf diese urtraditionellste aller Arbeitsweisen für sich alleine.

Johannes Hirsch, der das Weingut gemeinsam mit seinem Vater und seiner Frau Sandra, einer studierten Marketingleiterin führt, strahlt trotz seiner Jugendlichkeit eine gewisse Gelassenheit aus. Und er nimmt sich Zeit für seine Kinder, Marie und die Zwillinge Florian und Josef, denen er wie seinen Weingärten zugesteht, in Ruhe zu „werden“.

WEINGARTEN
Josef Hirsch folgt seit Jahrzehnten seinem Glaubensbekenntnis: Es ist viel besser, mit der Natur zu arbeiten, als gegen sie kämpfen zu wollen.

Er verwendet ausschließlich Naturdünger. Zu diesem Zweck arbeitet er eng mit seinem alten Freund und Weggefährten Robert Paget zusammen. Dessen Ziegen und Büffel geben nicht nur hervorragende Milch für die Käserei, sondern "erzeugen" auch einen prächtigen Dünger für die Hirsch-Weingärten. In Kombination mit nützlings-schonendem Pflanzenschutz gibt das eine solide Basis für ein funktionierendes Agro-Ökosystem.

Hohe Stockdichte, genaue Laubarbeit und ertragsreduzierende Maßnahmen sind für Josef Hirsch Selbstverständlichkeiten sorgfältiger Weingartenpflege.

LAGEN
Kammerner Lamm
Nicht das friedliche Weidetier sondern das fruchtbare Terroir ist Namensgeber für die Riede Lamm. „Loam“ ist zum einen der mundartliche Ausdruck für Lehm und steht zum anderen im Englischen für Lehm und Löss. Und die bilden in dieser Lage an der südöstlichen Flanke des Heiligensteins den fruchtbaren, tiefgründigen Boden.

Dazu kommt das besondere Mikroklima des nach Süden geneigten Hanges. Dies wirkt sich, gemeinsam mit dem Boden, überaus positiv auf die Kraft und den Schmelz des Weines aus. Eine allererste Lage für ausdrucksstarke, vielschichtige Veltliner.


Zöbinger Gaisberg
Für manche "der kleine Bruder" des berühmten Heiligensteines, für uns einfach ein Weinberg mit großartigen Möglichkeiten. Der mit Braunerde bedeckte, verwitterte Glimmerschiefer ist ein geradezu perfekter Boden für einen mineralischen Riesling.

Kurz vor Strass gelegen ist der Gaisberg der südöstlichste Ausläufer des Manhartsbergs, also noch im Verbund des Kristallin der böhmischen Masse. Unsere Riesling-Reben genießen die Lage an seiner Südflanke und danken es uns mit einem unverwechselbaren Wein. Der Gaisberg eignet sich übrigens ganz ausgezeichnet für einen Riedenspaziergang. Die Aussicht auf das Donautal und das gegenüberliegende Stift Göttweig ist fantastisch.


Zöbinger Heiligenstein
Der Heiligenstein zählt mittlerweile für die meisten Weinliebhaber zu den allerbesten Weinbergen Europas. Wir haben glücklicherweise Weingärten in seinem Kernstück. Dort hat sich in heißer Vorzeit Wüstensandstein gebildet. Und zwar vor 250 bis 270 Millionen Jahren. Der sogenannte Perm, ein Boden aus Wüstensandstein und vulkanischen Bestandteilen, bildet die Grundlage für feinste Rieslinge.

Das Mikroklima des schalenförmigen Weinberges fördert Aromen, wie sie für die edle Rebsorte charakteristisch sind. Und zwischen den Rebflächen finden wir eine Flora und Fauna, die sonst nur in weit südlicheren, mediterranen Gefilden anzutreffen sind.

 

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